Landwirtschaft
Die Landwirtschaft ist ein Wirtschaftsbereich mit einer besonderen Geschichte und Bedeutung. Nahrung ist eines der grundlegenden Bedürfnisse des Menschen und sie wurde lange durch den Anbau regionaler Produkte auf sorgsame und nachhaltige Weise erzeugt. Das funktioniert in einer globalen Ökonomie so nicht mehr. Erzeuger und Verbraucher sind durch komplexe Ketten von Zwischenhandel, Transportlogistik, Exporteuren und Importeuren getrennt und ein einfacher Tausch zwischen Ware und Geld findet nur noch in Ausnahmefällen statt. Diese Entkopplung wird aber auf beiden Seiten nicht wirklich realisiert. Es sind immer noch ‚unsere Bauern‘, die uns durch Blühstreifen erfreuen oder durch Massentierhaltung ärgern und es sind‚ „die durch uns Landwirte Versorgten‘, welche die Arbeit der Bauernschaft nicht wertschätzen und nur noch Discount-Preise bezahlen wollen.
Nun kommt aber unser Wein aus Chile, der Weizen aus der Ukraine, Tomaten aus Spanien, Kartoffeln aus Cypern und die Speisefette aus Indonesien. Schweine und Milchprodukte aus hiesiger Produktion landen in China, die Hühnerreste in Afrika, während die Tiernahrung aus Brasilien stammt. Klassische Familienhöfe sind großflächig durch industrialisierte Agrarfabriken ersetzt worden und die Preise für die Produkte werden nicht mehr auf dem Wochenmarkt, sondern auf dem Weltmarkt festgesetzt. Das müssten wir wissen, sind aber nicht bereit dazu. Anscheinend sind wir in einer Zeitschleife eines Heimatfilms aus den 60ern gefangen. Das können wir uns alle zusammen aber nicht mehr leisten und daher muss sich die Abbildung der Realität auch in der Kommunikation zwischen Landwirtschaft und restlicher Gesellschaft wiederfinden.

Worauf können wir uns einigen? Wir haben als verbindendes Element zwischen beiden Gruppen den Boden, auf dem die einen nur leben und den die anderen zusätzlich bewirtschaften. Aus Sicht der Verbraucher ändert sich bei steigendem Umweltbewusstsein langsam aber kontinuierlich die Bewertung landwirtschaftlicher Arbeit weg von einer auf Quantität ausgelegten Versorgungsleistung und hin zu einer auf Qualität basierenden Landschaftspflege. Eine gesunde Agrarlandschaft mit hoher Resilienz gegen Effekte des Klimawandels zu gestalten ist Expertensache.
Das sehen auch viele Landwirte so und bieten der Gesellschaft zunehmend regionale und nachhaltige Leistungen an, die von globalen ökonomischen Zyklen abgekoppelt sind. Es ist an uns, sie anzunehmen und unter Umgehung von weiten Handelswegen, welche die Preise der Produkte erhöhen und Qualität mindern, die Landwirte*innen dafür auskömmlich zu entlohnen. Voraussetzung dafür ist ein gegenseitiges Verständnis der Situation und ein Abkommen über Preis und Leistung, das nicht den schnellen Gewinn sondern die langfristige natürliche Funktion unserer Kulturlandschaften zum Inhalt hat. Dazu braucht es eine ehrliche Kommunikation miteinander und langfristig planbare und wirtschaftlich tragbare Strategien für die Landwirtschaft. Die unnötige Spaltung eigentlich voneinander abhängiger Gruppen in unserer Gesellschaft schadet diesem Ziel und verzögert den notwendigen Anpassungsprozess. Dem sollten wir durch das Angebot sachlicher Gespräche von beiden Seiten entgegentreten.