Der Kreistag entscheidet : Trotz Förderung keine Elektrobusse für den Kreis …

Die Mehrheit des Kreistages Nordwestmecklenburg hat sich dafür entschieden, die Zeit zurückzudrehen und statt mit staatlicher Förderung 10 (in Worten ZEHN) Elektrobusse für den Stadtverkehr zu beschaffen, Dieselbusse zu kaufen. 

Die Begründungen waren teils an den Haaren herbeigezogen, teils richtiggehend falsch. 

Die Berechnungen des Landkreises, die zur Begründung dienten, beriefen sich immer auf eine komplette Umstellung des Fuhrparks, die überhaupt nicht geplant war. 

Im Vorfeld wurden mehrere Varianten vorgestellt, von kompletter, über teilweiser oder gar keiner Umstellung der Fahrzeuge. Es wurde die schlechteste aller Varianten beschlossen – der Kauf von Dieselbussen, die auch mit dem synthetischen Kraftstoff HVO 100 betrieben werden können. Dieser Kraftstoff wird aus Altspeiseöl und tierischen Fetten hergestellt. Die, unter hohem Energieaufwand hergestellten Mengen reichen bei weitem nicht aus, um ganze Busflotten zu betanken und der Preis liegt sogar 10-20 Cent über dem Preis für einen Liter herkömmlichen Diesel. 

Preis und Verfügbarkeit sind überhaupt nicht vorhersehbar. Hinzu kommt: HVO 100 verursacht weniger CO2 Emission als herkömmlicher Diesel, aber Feinstaub, Stickoxide und Ruß werden trotzdem freigesetzt und belasten damit die Luft in unseren Städten und Kommunen.

Wir bevorzugten die vorgestellte Variante 4, die mit 10 Elektrobussen, einen moderaten Einstieg in die E-Mobilität vorsah und Raum ließ für potenzielle künftige Veränderungen des regulatorischen und wirtschaftlichen Rahmens. Auch in der Variante 4 wäre es möglich gewesen, HVO 100 einzusetzen – als Übergangslösung und auch als Treibstoff für die Bestandsfahrzeuge.

Mit der Variante 4 wären wir technologieoffen geblieben, in dem wir Elektroantriebe und synthetische Kraftstoffe etablieren und wären für mehrere Zukunftsszenarien gerüstet, je nachdem wohin sich Technik und Wirtschaftlichkeit entwickeln. 

Die zugesagte Förderung hätte Nahbus einen vergleichsweise kostengünstigen Einstieg in die E-Mobilität ermöglicht, die der Landkreis unbedingt hätte nutzen sollen. Preise für herkömmliche Verbrennerkraftstoffe werden sich immer weiter nach oben entwickeln, eventuell auch die Preise für synthetische Kraftstoffe, während die erneuerbaren Energien im Zuge des Ausbaus, günstiger werden und regional verfügbar sind. Speichertechnologien in direkter Umgebung von Wind- und Solarparks werden zunehmen. Wir hätten die lokalen Wertschöpfungspotenziale heben und die Kreislaufwirtschaft stärken können.


Hierzu Miro Zahras Rede vor dem Kreistag

Mogelpackung

Sehr geehrter Herr Landrat, sehr geehrter Herr Kreistagspräsident, sehr geehrte Damen und Herren,

Der Vorschlag der Verwaltung ist abzulehnen, da er ein fahrlässiges Risiko für die Entwicklung des Landkreises bedeuten würde.

Hierzu gibt es einige bedeutende Gründe, aber die drei wichtigsten sind:

  1. Auf synthetischen Diesel in heutiger Situation zu setzen ist eine falsche Entscheidung mit fatalen Folgen.
  2. Grundsätzlich halten die meisten Fachleute Elektromobilität für die derzeit effizienteste klimaneutrale Lösung.
  3. Es gibt keine Verknüpfung zur regionalen Wirtschaft und missachtet total die Chancen der Kreislaufwirtschaft.

Fahrzeuge kaufen zu wollen, die mit einem Kraftstoff betankt werden, den es noch gar nicht in ausreichender Menge gibt, der im Preis nicht kalkulierbar ist, stellt für den Landkreis ein finanzielles Risiko dar, das man heute nicht kalkulieren kann. Die synthetischen Kraftstoffe, werden zwar in der Testphase produziert, können heute aber nur in geringen Mengen hergestellt werden. Und vor allem nicht bei uns. Der Beschlussvorschlag ist abzulehnen, weil nicht umsetzbar. 

Die beste Variante ist auf lange Sicht die Variante 4 (entsprechender Vorschlag aus der Sitzung des Aufsichtsrates der Nahbus GmbH liegt begründet vor). Sie garantiert den Einstieg in die erneuerbaren Energien, unterstützt unsere regionale Wirtschaft, ist nachhaltig und auf lange Sicht auch wirtschaftlich.

Der Einsatz der sogenannten Synthetischen Kraftstoffe trägt nicht zur regionalen Wertschöpfung bei, im Gegenteil, sie verdrängen die Nutzung regional und lokal herstellbare und hergestellte Energieträger. 

Bei heutigen Dieselbussen werden erhebliche finanzielle Mittel für den Treibstoffbezug ausgegeben. Diese Mittel fließen zu 100% aus der Region ab. Die Nutzung von regenerativ erzeugter elektrischer Energie für Elektrobusse kann die regionale Wertschöpfung hingegen deutlich erhöhen. Wenn der „Kraftstoff“ regenerativer Strom regional erzeugt, verteilt und versteuert wird, kann der Mittelabfluss um bis zu 50 % reduziert werden. Auf diese Weise wird der positive Effekt des E-ÖPNV für die Region langfristig auch in finanzieller Hinsicht erheblich gesteigert. 

Es gibt genügend positive Beispiele in MV in denen auf die regionale Wertschöpfung und Vernetzung gesetzt wird.

Ludwigslust-Parchim hat bereits eine Vorreiterrolle bei dem Thema Elektrobusse eingenommen, Landkreis Rostock plant auf Wasserstoffantrieb umzusteigen. Bis Ende des Jahres sollen in Rostock 52 neue Wasserstoffbusse in die Flotte aufgenommen werden, die mit grünem Wasserstoff aus der Region betrieben werden. 

Das sind konkrete Beispiele für Kreislaufwirtschaft durch Sektorenkopplung in Rostock und Verknüpfung zwischen Energiewirtschaft und Verkehr durch Elektro-Busse im Landkreis Ludwigslust Parchim.

Ländliche Regionen weisen ein hohes Aufkommen an Strom aus Erneuerbaren Energien auf. Gleichzeitig müssen Anlagen in Zeiten hohen Aufkommens abgeregelt werden, was die Verbraucher im örtlichen Verteilnetz finanziell belastet. Linienverkehre im ländlichen Raum eignen sich entgegen weit verbreiteter Meinung besonders gut für eine Elektrifizierung und Sektorenkopplung zwischen Energiewirtschaft und Verkehr. 

Am Beispiel der Verkehrsgesellschaft Ludwigslust-Parchim mbH wird es deutlich, wie sich Fahrzeugbeschaffung, Fahrzeugeinsatz, Netzanschluss sowie Betriebshof-, Lade- und Lastmanagement im ländlichen Raum gestalten lassen und dass es möglich ist, „negative Strompreise“ zu erzielen oder sogar aus den Erlösen des THG-Quotenhandels die Stromkosten zu decken.

Vor diesem Hintergrund stellt die Elektrifizierung von Busflotten und deren Netzintegration einen notwendigen und wirkungsvollen Schritt zur Kopplung der Sektoren Energiewirtschaft und Verkehr als Beispiel einer Kreislaufwirtschaft dar

Es gibt sogar erweiterte Möglichkeiten der Finanzierung: Für einen einzelnen Elektrobus lassen sich Quotenerlöse durch THG Handelsquoten von 11.000 bis 14.000 Euro pro Jahr realisieren. Je mehr Elektrobusse, umso mehr Einnahmen.

Mit dieser Vorlage würden wir uns hingegen dafür entscheiden, die Chancen der Kreislaufwirtschaft nicht zu nutzen, heimische Wirtschaft nicht zu unterstützen, den Landkreis finanziell zu gefährden und die Landbevölkerung nicht ausreichend mit ÖPNV zu versorgen. 

Das ist kein zukunftsorientiertes und verantwortungsvolles Handeln, sondern kurzgedacht und fahrlässig. 

Da würde auch die Oma im Dorf XY sagen: Nein Danke! Dieser Vorschlag ist abzulehnen. Für sie und für ihre Enkelkinder. Wegen des Klimaschutzes und vor allem aus wirtschaftlichen Gründen.