Claudia Tamm lebt in Wismar und engagiert sich seit vielen Jahren kommunalpolitisch für Nordwestmecklenburg – im Kreistag, in der Bürgerschaft und im Kreisverband. Die Krankenschwester, Heilpraktikerin, Mutter und Oma setzt sich besonders für Digitalisierung mit Datenschutz, Umwelt- und Klimaschutz sowie eine gute Gesundheitsversorgung ein.
In unserer neuen Rubrik INTRO sprechen wir mit Menschen, die sich vor Ort einmischen und Verantwortung übernehmen. Zum Auftakt erzählt Claudia, was sie antreibt, welche Veränderungen sie sich für unsere Region wünscht – und warum sie trotz mancher Herausforderungen optimistisch bleibt.
Welches lokale Problem muss jetzt sofort angepackt werden?
Der Hochwasserschutz und ein generelles Wassermanagement sind unerlässlich für unsere Region, unseren Landkreis. Wir haben immer häufiger lange Trockenheitsphasen und Sturzregenereignisse, die die Kanalisation und die Felder und Wälder überfordern. Regenwasserspeicher und ein maßvoller Rückbau der Melioration sind immens wichtig. Der Schadstoffeintrag in die Ostsee muss schnell begrenzt werden.
Der Wal hat gezeigt, wie dramatisch die Situation in der Ostsee ist. Geisternetze müssen schnellstmöglich aus dem Wasser und Seegraswiesen neu angepflanzt werden.
Der demografische Wandel ist jedoch das Problem, das zuerst betrachtet und angepackt werden muss. Wir haben einen dramatischen Rückgang von Geburten, trotz kostenloser KiTa und dafür müssen die Ursachen benannt und beseitigt werden. Unseren Jugendlichen muss eine Perspektive zum Bleiben aufgezeigt werden, damit sie nach Schule, Ausbildung und Studium nicht das Land gen Westen oder Süden verlassen.
Was treibt Dich an, sich in Nordwestmecklenburg für die Grünen einzusetzen?
Ich lebe und arbeite Nordwestmecklenburg und bin noch immer fasziniert von der Schönheit unseres Landes. Die Ostsee mit ihren Buchten und Stränden, die vielen kleinen Seen, die Wälder und die Hügel, die von der Eiszeit geformt wurden – das alles ist einmalig und wundervoll.
Gleichzeitig besorgt mich der Klimawandel und die Frage, ob meine Enkeltochter das ihren Kindern, die sie irgendwann haben wird, auch noch zeigen kann.
Wird es diese Landschaft noch geben oder steigt der Meeresspiegel so hoch, dass nur noch wenig davon übrig ist. Wird es noch trinkbares Wasser hier geben? Was machen die hohen Nitratwerte im Grundwasser mit der Gesundheit der Menschen? Schaffen wir es, unseren Lebensraum an die Klimaveränderungen anzupassen?
Welchen konkreten Wandel willst Du in den nächsten fünf Jahren sehen?
Ich will eine Digitalisierung, die den Bürgern nützt und nicht ihre Daten an große Tech-Konzerne verkauft und trotzdem ein Recht auf ein analoges Leben gewährleistet.
Jeder Antrag muss online zu stellen sein und auch bearbeitet werden, ohne dass die Formulare ausgedruckt und verschickt werden müssen.
Die Abhängigkeit von US-Unternehmen muss beendet und eine Umstellung auf Open Source-Software erfolgen. Paris und Schleswig-Holstein machen es vor und was die können, können wir auch.
Und jetzt träume ich ein bisschen:
Ich will Stadtteilautos oder Dorfautos, die von allen genutzt werden können und wollen. Besonders in den Städten könnten damit viele Autos verschwinden, die monatelang ungenutzt auf den öffentlichen Parkflächen stehen.
Ich will in jeder Stadt, in jeder Kommune einen öffentlichen Platz sehen, der von den Menschen gern und häufig genutzt wird. Vielleicht eine Dorflinde mit Bank und Tisch in jedem Dorf, Wohngebiet oder jedem Stadtbezirk.
Ich will überall einen Jugendtreff, der von den Jugendlichen selbst verwaltet und geführt wird, ohne dass sie sich selbst überlassen werden.
Welche regionalen Werte und Orte müssen wir bewahren?
Wir müssen unsere kleine Küstenfischerei bewahren und schützen. Das Projekt SeaRanger ist ein guter Anfang, muss aber stetig weiter entwickelt werden.
Es gibt sehr viele kleine und große Vereine, Handwerksfirmen und Unternehmer:innen, die völlig verschieden von einander die Region und die verschiedenen Orte prägen.
Die Kinder- und Jugendfeuerwehren leisten großartige Arbeit, in dem sie die Kinder aus den verschiedenen Orten zusammenbringen und ihnen zeigen, dass jeder einzelne wichtig ist.
Wir müssen unsere kleinen Bauern und SoLaWis erhalten und vor großen Agrarkonzernen schützen und den Ausverkauf des Bodens beenden.
Was nervt dich hier richtig – und warum bleibst du trotzdem?
Die fehlenden Fahrradwege in Wismar und ich bleibe um zu erleben, dass ich in einem Zug mit dem Rad quer durch die Stadt, über alle Ampeln fahren kann, weil Radfahrer und Fußgänger Vorfahrt haben.
Wie können Bürger*innen aktiv mit Dir zusammen etwas bewegen?
Sprecht mich an 🙂
Was würdest du sofort anpacken, wenn du einen Tag freie Hand hättest?
Ein zusätzlicher freier Tag für alle Beschäftigten in der Pflege – und KiTa – Bereich
Wofür stehst Du in einem Wort?
Für ein gutes Miteinander und Pragmatismus.